Evidenzgenerierung

RetrospektivePatientendaten-AuswertungalsBausteinfüreinedauerhafteKostenübernahme

Eine Zweitlinien-Therapie für Patienten nach Lungentransplantation wurde in der Schweiz befristet erstattet. Es fehlten Daten dazu, wie die Therapie in der Schweiz im Versorgungsalltag eingesetzt wird und welche Patienten von ihr profitieren. LinkCare führte dafür eine retrospektive Kohortenstudie zusammen mit einem Schweizer Transplantationszentrum durch.

Die Challenge

Ausgangslage und systemische Hürden

Nach einer Lungentransplantation kann das Transplantat chronisch an Funktion verlieren. Für Patienten, bei denen die Standardbehandlung nicht ausreicht, steht eine Therapie (extrakorporale Photopherese, ECP) als Zweitlinienoption zur Verfügung. In der Schweiz war diese Therapie für die betroffene Indikation befristet und unter Auflagen zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) erstattet. Die Entscheidung über die dauerhafte Kostenübernahme stand aus. Belastbare Zahlen dazu, wie die Therapie in der Schweizer Versorgungsrealität tatsächlich eingesetzt wird und welche klinischen Ergebnisse sie erzielt, fehlten, gerade zu der entscheidenden Frage, welche Patienten in welchem Krankheitsstadium am meisten profitieren.

Kernfrage

Wie lässt sich der Stellenwert einer etablierten Therapie belegen, wenn randomisierte Studien ausscheiden und insbesondere Daten zum Einsatz in der “real-world” Versorgung von Interesse sind?

Der Lösungsansatz

Strategieentwicklung und Marktbearbeitung

Studiendesign und Auswertung: LinkCare führte eine retrospektive Kohortenstudie gemeinsam mit einem universitären Schweizer Zentrum durch, in die alle Patienten eingeschlossen wurden, die zwischen 2010 und 2020 behandelt wurden. Die Patienten wurden über bis zu fünf Jahre nachverfolgt. Überleben und die Entwicklung der Lungenfunktion wurden getrennt nach Schweregrad und Form der Erkrankung ausgewertet.

Die Datengrundlage bildete die strukturierte Auswertung der Patientenakten des Zentrums. Aus diesen wurden für jeden Patienten demografische Daten, der Krankheitsverlauf, die Behandlungsdaten und die Informationen zum Überleben erhoben. Unvollständige und fehlende Daten wurden transparent dokumentiert und bei den jeweiligen Auswertungen berücksichtigt, sodass nachvollziehbar blieb, welche Patienten in welche Analyse eingingen.

Im Zentrum stand die Frage, welche Patienten auf die Therapie ansprechen. Über das statistische Verfahren der Überlebenszeitanalyse wurde der Zusammenhang zwischen Behandlungszeitpunkt, Krankheitsstadium und Überleben untersucht, ergänzt um die Entwicklung der Lungenfunktion vor und nach Behandlungsbeginn.

Die Auswertung erfolgte nach den anerkannten methodischen Standards und mit dem Anspruch, einem Peer-Review standzuhalten.

Das Ergebnis

Wirkung, Resonanz und nächster Hebel

Die Studie zeigte: Der Verlust an Lungenfunktion verlangsamte sich unter der Therapie nach Behandlungsbeginn deutlich. Patienten, die früh, also in niedrigen Krankheitsstadien, behandelt wurden, profitierten am stärksten; ihr Fünf-Jahres-Überleben lag über den internationalen Vergleichswerten für Lungentransplantierte.

Damit lagen erstmals Daten zur Therapie aus dem Schweizer Versorgungsalltag vor, einschließlich der klinisch wie ökonomisch relevanten Erkenntnis, dass ein früher Behandlungsbeginn das Ergebnis verbessert. Die Ergebnisse wurden gemeinsam mit dem klinischen Team peer-reviewed im Journal of Clinical Apheresis (2024) publiziert.

Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) entschied, die Therapie zum 1. Januar 2026 unbefristet in die Leistungspflicht der OKP aufzunehmen, und beendete damit die seit 2016 bestehende Befristung.

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